Obwohl er eigentlich taub ist: Joachim Albrecht reist im ausgebauten Truck um die Welt

Jo Albrecht am Atitlán-See in Guatelama ~ Foto: privat

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Es ist sein großer Lebenstraum, den er sich erfüllt. Im September vorletzten Jahres brach Joachim Albrecht von Hannover aus mit einem ausgebauten Truck zu einer mehrjährigen Weltreise auf. Der studierte Betriebswirt und Familienvater ist eigentlich taub. Doch Jo Albrecht hört mit zwei Cochlea-Implantaten.

Nur ein Zwischenstopp: Als wir dem Mittfünfziger vor einigen Wochen in Hannover begegnen, hat er gerade die erste Etappe seiner Reise um die Welt geschafft. Joachim Albrecht sitzt uns gegenüber, im bunten T-Shirt und braun gebrannt. Sein Truck wartet auf der Halbinsel Yukatán, erzählt er uns. Von dort will er schon bald wieder aufbrechen. Das Projekt Weltreise – für Joachim Albrecht ist es mehr als nur ein Abenteuer.

Nicht mehr hören: „Als ob man barfuß durch die Hölle geht.“

Früher war er Führungskraft in der IT-Branche. Auch damals ist Jo Albrecht viel gereist. Er lebte aktiv, trieb Sport. „Ich war Windsurfer und bin dann zum Tauchsport gewechselt. Weil man als Taucher einmal im Jahr zu einer ärztlichen Untersuchung muss, kam ich bereits mit Ende 20 regelmäßig zum HNO-Arzt.“

Bei einem Hörtest dann die erste Diagnose: Bestimmte Frequenzen konnte der junge Mann nicht mehr hören. „Ich selbst hatte das gar nicht bemerkt“, erinnert sich unser Gesprächspartner. „Erst mit Mitte, Ende 30 fiel mir auf, dass manche Leute so undeutlich sprachen. Es stellte sich heraus, dass es an meinem Gehör lag. Und es wurde immer schlimmer. Vor allem in meinem Beruf, bei Gesprächen auf Englisch, bei Telefonkonferenzen oder Meetings stieß ich immer öfter an Grenzen. Und die Geräusche verschwanden – sowohl im Haus als auch draußen; das Rauschen der Blätter zum Beispiel. Meine Welt wurde immer enger. Zum Schluss blieb nur noch das Gespräch. Und selbst das wurde immer weniger.“

Jo Albrecht ~ Foto: privat

Eine Zeit lang trug er Hörgeräte. Doch die Geräte, die Jo Albrecht benötigte, wurden immer stärker. Zum Schluss halfen auch die stärksten Geräte kaum noch. Er bemühte sich, das Nicht-Gehörte durch gute Beobachtung und Lippenlesen auszugleichen. Und er begann, all jene Situationen zu vermeiden, die ihn überforderten. „Es ging immer weiter: Leute halten dich für doof. Man verliert die Freunde, Bekannte, Nachbarn, die Kinder, den Ehepartner, den Job … All das kann man vergessen. Es ist so deprimierend! Als ginge man barfuß durch die Hölle.“

Neues Hören und der Plan für eine Reise um die Welt

Doch Jo Albrecht kämpfte sich zurück. Er informierte sich über die Chancen einer Cochlea-Implantat-(CI-)Operation, stellte sich in Kliniken vor, entschied sich für die Behandlung und fand tatsächlich wieder zur Welt des Hörens.

„Für mich war das wie eine Wiedergeburt. Ich bin durchgestartet, habe ganz viele Dinge gemacht, auf die ich zuvor lange verzichten musste. Und ich habe mir gesagt: Jetzt mache ich das, was ich immer machen wollte: eine Weltreise. Reisen hatte ich schon immer viele unternommen. Aber wenn man für drei Wochen irgendwo hinfliegt, kann man ein fremdes Land gar nicht richtig aufnehmen – und genau das wollte ich.“

Mit dem MAN-Truck in Manhattan ~ Foto: privat

Gesagt, getan. In seinen Beruf kehrte Joachim Albrecht nicht wieder zurück. Er hatte Zeit. Die Vorbereitungen dauerten drei Jahre. „Man muss wissen, wohin und vor allem wie man reisen will. Und man muss jedes Detail berücksichtigen. Also habe ich Messen besucht und Fachliteratur gelesen.“

Am Ende dieser Recherchen stand der Truck, ein alter MAN, den Joachim Albrecht über viele Monate herrichtete und zudem mit einer Wohnkabine versah. „Ich habe den LKW-Führerschein gemacht, was mir ohne CI nicht möglich gewesen wäre. Der Ausbau der Kabine war ungefähr so aufwändig wie der Bau eines Hauses. Jeder Schrank und jede Schublade, Bett und Dusche, Herd, Klimaanlage, Toilette … – alles musste geplant werden. Und dann muss man das Fahrzeug auch noch nach Kanada verschiffen. Natürlich macht man so was nur, wenn es genau sein Ding ist.“

Mit einer traditionellen Maya-Frau am Atitlán-See ~ Foto: privat

Von Hannover über Halifax bis zum Atitlán-See

Im September 2016 war es endlich so weit: Von Hannover aus – wo Joachim Albrecht an der MHH sein „neues Hören“ erhalten hatte – ging es zum Hamburger Hafen. Dann folgte die Überführung des Trucks nach Halifax in Kanada.

„Von dort fuhr ich zuerst nach New York und dann weiter bis South Carolina, wo leider gerade der Hurrikan Matthew wütete. Ich fuhr dann durch Mississippi und immer weiter Richtung Westen – nach Oklahoma-City, in den Grand-Canyon-Nationalpark, über Las Vegas bis San Diego, über die mexikanische Grenze und durch Baja California Richtung Süden. Mit der Fähre durchquerte ich den Golf von Kalifornien. Ich besuchte Guadalajara, Mexico-City, die Halbinsel Yukatán. Anschließend ging es noch durch Belize und Guatemala. Ich kam bis zum Atitlán-See, der traumhaft ist – große Vulkane und ein Klima wie im ewigen Frühling.“

Die schönsten Erlebnisse bisher

Befragt nach dem schönsten Erlebnis der bisherigen Tour kommt der Weltenbummler ins Grübeln: „Ich erinnere mich vor allem an großartige Landschaften, Begegnungen mit Menschen, Tiere. In Baja California gibt es schöne Strände, Wale, Schildkröten. Aber auch Manhattan war toll, ebenso die alten Pyramiden der Maya. Ich bin Brüllaffen begegnet. Ich habe unzählige Manta-Rochen beobachtet, die in Formation Richtung Süden geschwommen sind. Und ich war bei Biologen aus Argentinien, mit denen ich bei Sonnenuntergang hunderte Wasserschildkröten ins Meer gesetzt habe. Es gab nicht das eine tolle Erlebnis sondern ganz viele.“

Auch Abenteuer und Herausforderungen kamen nicht zu kurz: „Riskante Momente gab es etwa beim Hurrikan Matthew. Es gab brenzlige Situationen auf steilen, ungesicherten Straßen oder in engen Städten. In Mexiko musste ich eine Nachtfahrt machen. Das hatte ich eigentlich immer vermeiden wollen. Ich war sehr froh, dass hier nichts passiert ist. Zudem braucht man gute Nerven bei den Grenzkontrollen.“

Unterwegs Kontakt zu anderen Menschen zu finden, ist für Jo Albrecht übrigens kein Problem. „Ich habe überall sofort Kontakt – allein schon durch mein auffälliges Auto. Egal wo ich anhalte, immer stehen Leute vor der Tür.“ Er spricht Englisch und hat für seine Reise etwas Spanisch gelernt. Häufig wird er auch auf seine Hörschädigung und das CI angesprochen, und er gibt dann bereitwillig Auskunft.

Mittlerweile ist Jo Albrecht schon einige Wochen wieder auf Tour. Er hat Zentralamerika bis nach Panama durchquert, dann seinen Truck nach Kolumbien verschifft und jetzt Ecuador erreicht.

So funktioniert das Cochlea-Implantat ~ Grafik: IWH-Bildmaterial.indd

Was ist ein Cochlea-Implantat?

Das Cochlea-Implantat (CI) wird unter die Kopfhaut des Patienten eingesetzt und reicht bis in dessen Innenohr. Es wandelt gesprochene Worte und andere akustische Signale in elektrische Impulse um. Durch diese Impulse wird der Hörnerv stimuliert, der sich in der Hörschnecke, der so genannten Cochlea, befindet. Zu jedem CI gehört außerdem ein Soundprozessor mit Sendespule, der wie ein Hörgerät hinterm Ohr getragen wird. Gehörlos geborenen Kindern und hochgradig hörgeschädigten bis völlig ertaubten Kindern sowie hochgradig hörgeschädigten und tauben Erwachsenen eröffnet das CI wieder den Zugang zur Welt des Hörens und der gesprochenen Worte.

Weitere Informationen zum Thema Cochlea-Implantate: ich-will-hoeren.de.


 

(Text: Martin Schaarschmidt, Fotos: siehe Bildunterschriften, 25.06.2018)

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