Mosambik – ein aufgehender Stern am Reisehimmel

Gastbeitrag von Anja Knorr

Tofino in Mosambik ~ Foto: Anja Knorr

Diese Sehnsucht nach Afrika. Lange Zeit konnte ich mir nicht erklären, warum mich dieser Kontinent so reizte. Seit Jahren träumte ich davon, in Mosambik zu leben und meinen Divemaster zu machen. Nie zuvor hatte ich dieses Land besucht und kannte auch niemanden dort.

Vor Jahren las ich einmal einen Artikel über die unberührte Flora und Fauna, die paradiesischen Unterwasserwelten und das reichhaltige Vorkommen von Walhaien, Mantas und Buckelwalen in einem kleinen Ort namens Tofo.

Seitdem rief mir eine innere Stimme immer lauter werdend zu, dass ich in Mosambik leben und als Divemaster arbeiten wollte. Wollte ein Leben im Einklang mit der Natur führen, weit weg von der deutschen Großstadthektik, den vielen Geräuschen, Gerüchen und Menschen, die mir immer zu viel waren.

Als ich schließlich in Inhambane aus dem Flugzeug stieg und mit einem Taxi nach Tofo fuhr, schaute ich aus dem Fenster und bemerkte, wie ein Lächeln über mein Gesicht huschte. Und dieses Lächeln schien die kommenden Monate nicht mehr aus meinem Gesicht zu weichen.

Tofo in Mosambik ~ Foto: Mark Kelly

Ich war angekommen im Paradies.

Grüne Palmen flogen links und rechts an mir vorüber. Hochgewachsene Frauen, in bunte Tücher gehüllt, lachten mich auf der Straße an und der Himmel war so blau, dass es in meinen Augen weh tat. Ich wusste, ich war angekommen, obwohl ich nicht wusste, was ich gesucht hatte.

Ich fing an, als Divemaster im winzig kleinen Dorf  Tofo – etwa zehn Stunden Autofahrt von Mosambiks quirliger Hauptstadt Maputo entfernt – zu arbeiten. Jeden Tag bereiteten wir die Tauchgänge unserer Kunden vor, verfrachteten die Ausrüstung auf ein Schlauchboot und fuhren durch die offene Brandung aufs offene Meer. Wir tauchten mit Schildkröten, Delfinen, Teufelsrochen, Mantarochen, Haien und mit etwas Glück sogar mit Walhaien und Buckelwalen.

Mein Büro war das Meer und meine Kollegen die größten Fische der Welt. Den ganzen Tag blickte ich in strahlende Gesichter und war einfach nur happy. So fühlt es sich also an, wenn man seinen Beruf liebt und sein Hobby zum Beruf macht!

Die besten Tauchspots Afrikas

Buckelwal in Tofo ~ Foto: AOA

Wenn man Megaufauna mag – also die ganz großen Unterwasserbewohner – ist man in Tofo gut aufgehoben. Der kleine Ort am Indischen Ozean gilt als Mekka von Tauchern aus aller Welt. Jeden Winter zwischen Juni und Oktober werden Buckelwale gesichtet, die sich auf ihrem langen Weg von der Antarktis in wärmere Gefilde befinden, um sich zu paaren und zu kalben.

Daneben zieht es die größten Fische der Welt nach Tofo. Ausgewachsen können Walhaie bis zu 20 Meter lang werden und sind doch ganz friedlich nur am Planktonfiltern. Sie ernähren sich von Plankton, das in riesigen Mengen vorkommt und sozusagen die Leibspeise der sanften Giganten ist.

Walhai in Tofo ~ Foto: Stella Diamant

Nichts kann dich darauf vorbereiten, mit diesen riesigen Tieren im offenen Meer zu schwimmen. Ich habe dabei gelernt, dass jedes Tier eine eigene Persönlichkeit besitzt: Manche sind sehr neugierig und schwimmen dicht auf mich auf, um genau zu schauen, was für seltsame Gestalten sich da in seinem Weg befinden. Wieder andere suchen schüchtern das Weite und tauchen in die Tiefe ab.

Wenn du mehr über das Tauchen in Tofo lesen möchtest, dann schaue doch das Video hier an oder mal auf meinem Blog vorbei.

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Aktiver Meeresschutz

Obwohl Tofo aus nicht viel mehr als ein paar verschlafenen Häusern, Hotels, Restaurants und Tauchshops besteht, sind doch etliche gemeinnützige Organisationen im Ort angesiedelt, die sich den Meeresschutz zur Aufgabe gemacht haben.

NGOs wie AllOut Africa oder Marine Megafauna Foundation informieren im Wochenrhythmus über die Artenvielfalt und arbeiten eng mit den örtlichen Behörden und Communities zusammen, um den Naturschutz zu promoten. Ebenso können auf den Tauchgängen aufgenommenen Fotos von Walhaien und Mantarochen der wissenschaftlichen Forschung der Organisation zur Verfügung gestellt werden.

Dazu muss der Schnappschuss in die globalen Sichtungsdatenbanken WhaleShark.org oder MantaMatcher.org hochgeladen werden, damit die Forscher die spezifischen Fleckenmuster der jeweiligen Tiere auswerten können.

Walhai in Tofo ~ Foto: Anna Flam

Authentisches afrikanisches Leben erleben

Mosambik ist ein noch relativ unentdecktes Urlaubsziel. Bettenhochburgen, Massentourismus und überlaufene Strände sucht man dort vergeblich. Besonders im Norden des Landes wie auf der Ilha do Mocambique war ich oftmals die einzige Weiße und wurde neugierig von den einheimischen Kindern angestarrt.

Die öffentlichen Verkehrsmittel und Straßen sind ein einziges Chaos. Und warum Langstreckenbusse immer mitten in der Nacht ab 4 Uhr morgens starten, nur um dann in der nächstgrößeren Stadt stundenlang auf dem Busbahnhof zu parken, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Trotzdem waren diese langen Überfahrten eine wunderbare Erfahrung, um mit den Mosambikanern ins Gespräch zu kommen. Freundlich und hilfsbereit sahen sie über meine rudimentären Portugiesischkenntnisse hinweg und nahmen sich meiner an. Vasco da Gama hat Mosambik bei seiner Entdeckung nicht umsonst den Namen „Terra de Boa Gente“ gegeben. Mosambik ist in der Tat das „Land der freundlichen Menschen.“

Gorongoza Nationalpark ~ Foto: Edle Everaert

Atemberaubende Nationalparks

Mosambik beherbergt mehrere Nationalparks und Reservate, einschließlich der Inselgruppe im Bazaruto-Archipel. Einer der weltweit seltenen Orte, an dem die sehr scheuen Seekühe beobachtet werden können.

Ebenso lohnt ein Besuch im eindrucksvollen Meeresschutzgebiet des Quirimbas-Archipels, das im Jahr 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, und der Gorongosa Nationalpark, der als Hotspot der Artenvielfalt gilt.

Naturliebhaber, Globetrotter, Taucher und Schnorchler aus aller Welt haben Mosambik in den letzten Jahren für sich entdeckt. Die unberührte Natur, paradiesischen Küsten und Unterwasserwelten, das karge Buschland und die verwunschenen Urwälder Mosambiks sprechen für sich.

Wer unvergleichliche und unberührte Natur ebenso wie das echte Afrika entdecken möchte, wird in Mosambik sein Traumreiseziel finden.


Über die Autorin

Anja Knorr ist ausgebildeter Divemaster und leidenschaftliche Taucherin und Surferin. Wenn sie sich nicht gerade in Wassernähe befindet, schreibt sie auf ihrem Blog oder ihrem MosambikReiseführer.


(Text + Fotos: Anja Knorr, 14.12.2018)

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